AUF AUSGETRETENEN PFADEN

Die Hohlwege von Wiesenbach und Sainbach

Vor vielen hundert Jahren schon nutzten Bauern mit ihren Gespannen den Weg von Wiesenbach Richtung Süden, hinab zum Zellerbächlein. Die mechanische Beanspruchung durch die Fuhrwerke und die Huftritte der Zugtiere nagten stetig am Wegebelag. Das Regenwasser tat das seine, und spülte das auflagernde lockere Material Korn um Korn den Hang hinab. So tiefte sich der Weg langsam aber unaufhaltsam ein, fraß sich durch die meterdicken weichen Lössschichten und weiter, tief hinein in den darunter lagernden Deckenschotter der Aindlinger Terrassentreppe.

Die Wiesenbacher Greppen

So konnte hier ein eindrucksvoller Hohlweg, eine sogenannte Greppen, entstehen. Wie die meisten Hohlwege wurde er nicht bewusst angelegt, sondern ist das Ergebnis eines fortwährenden Bodenabtrags. Auf einer Strecke von etwa 750 Metern hat er sich stellenweise mehr als 10 Meter tief eingeschnitten. Alte, dickstämmige Bäume, vorwiegend Buchen, säumen den Weg an den steilen Flanken. Sein Verlauf zeichnet sich dadurch, schon von weitem sichtbar, in der Landschaft ab.

Aufgrund der günstigen Standortverhältnisse wachsen im Saum der Baumhecken nährstoffliebende, meist starkwüchsige Gräser und Kräuter. Als naturnahe, lineare Strukturelemente kommt diesen Hohlwegen inmitten der intensiv landwirtschaftlich geprägten Flur eine wichtige Biotopverbundfunktion zu. Offene, steile Böschungen bieten Lebensräume für erdbewohnende Wildbienen.

Das Hohlwegesystem nördlich Sainbach

Nördlich Sainbach ist noch ein ganzes System an Hohlwegen erhalten, welches sich fächerartig Richtung Kreuzberg und Ainertshofen verzweigt. Die Wege erschließen in direkter Linie eine alte Kulturlandschaft, innerhalb derer die Verteilung von Feldern, Wäldern und Ortschaften bereits im späten Mittelalter mehr oder weniger festgelegt war und sich seit Jahrhunderten kaum mehr verändert haben dürfte.

Im Hügelland waren Hohlwege einst zahlreich anzutreffen. Oft wurden die Wegeverbindungen aber aufgegeben. Die verbliebenen Greppen gilt es vor dem Verfüllen oder vor einer Befestigung der Wegedecke zu bewahren. Um die gewünschte regelmäßige Nutzung als Fahrweg zu gewährleisten, muss durch Rückschnitt der Gehölze das Zuwachsen verhindert werden. 

Titelbild sowie Bilder oben und unten: In der Wiesenbacher Greppen

Bild Mitte: Seit Jahrhunderten schneiden sich Erschließungswege ins weiche Sediment des Hügellandes nördlich Sainbach ein. Alle Fotos: Stefan Gerstorfer